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Olympe de Gouges (1748-1793)

"Die Frau wird frei geboren und bleibt dem Manne gleich in allen Rechten."

Anonym: Olympe de Gouges, 1784, Aquarell, Musée Carnavalet.

Die französische Schriftstellerin Olympe de Gouges ist die Verfasserin der ‚Déclaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne’ – der Erklärung der  Menschenrechte für die Frau und Bürgerin. Als sie feststellt, dass die Revolutionäre den Frauen das Bürgerrecht verweigern, sich die Menschenrechte also als Männerrechte entpuppen, fordert sie: „Hat die Frau das Recht, das Schafott zu besteigen, so muss sie auch das Recht haben, die Tribüne zu besteigen!“ Sie wird diesen Satz mit dem Leben bezahlen: Die Revolutionärin, die das Motto ‚Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit’ auch für ihre Schwestern angewandt sehen wollte, wird 1793 von den Revolutionären zum Tode verurteilt und mit der Guillotine hingerichtet.

Portraitminiatur, 1785
Anonym, Olympe de Gouges, Miniaturporträt, um 1785 (verloren)

Olympe de Gouges wird am 7. Mai 1748 als Marie Gouze im südwest-französischen Montauban geboren. Ihre Mutter Anne-Olympe Mouisset ist mit dem Metzger Pierre Gouze verheiratet, der Vater ihrer Tochter ist aber Gerüchten zufolge der Marquis de Pompignan, Magistrat und Mitglied der Académie Francaise. Marie wird im Alter von 17 Jahren verheiratet, ihr Mann stirbt bald nach der Hochzeit und hinterlässt ihr Geld. Sie geht, zusammen mit ihrem Sohn Pierre, nach Paris.

Portraitmedaillon von Pierre Vidal
Portraitmedaillon von Pierre Vidal

Olympe de Gouges, wie sie sich jetzt nennt, nimmt teil am kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Salons und Frauenclubs. Sie verfasst sozialkritische Romane und Theaterstücke, die sich auch mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft beschäftigen. In ihrem Text ‚Das einfache Glück des Menschen oder Patriotische Träume’ fordert sie die Einrichtung eines zweiten Théâtre Francais, an dem ausschließlich Stücke von Frauen aufgeführt werden. In einem ihrer Stücke prangert sie auch die Sklaverei an. Schon mit diesem Stück, ‚Die Sklaverei der Schwarzen’, zeigt die Autorin, dass sie die Kategorisierung von Menschen als soziales Konstrukt begreift: "Würde man die Sklaverei abschaffen, so könnte man damit rechnen, dass sich die Neger zu ebenso treusorgenden Eltern und gewissenhaften Arbeitern entwickeln wie es die Weißen sind."

Patriotische Spende der Französinnen
Patriotische Spende der Französinnen in der Nationalversammlung, 1789

1789 wird im Zuge der Französischen Revolution die Deklaration der Menschen- und Bürgerrechte verfasst, zwei Jahre später nimmt die Nationalversammlung die neue Verfassung an, die auf dieser Erklärung basiert. Olympe de Gouges ist empört darüber, dass die Frauen, ohne deren Einsatz auf den Barrikaden die Revolution nicht erfolgreich gewesen wäre, nun von den eigenen Kampfgefährten wieder aus dem politischen Leben verbannt werden sollen. Die Frauen protestieren in einem ‚Gesuch der Damen an die Nationalversammlung’: „Ihr habt erklärt, dass alle Personen gleich sind. Ihr habt bewirkt, dass einfache Hüttenbewohner gleichberechtigt neben Prinzen gehen. Und doch duldet ihr alle Tage, dass 13 Millionen Sklavinnen die Ketten von 13 Millionen Tyrannen tragen.“

"Sie haben wohl ein Recht auf die Tribüne, denn sie haben ja auch ein Recht auf das Schafott."
Erklärung der Frauenrechte: Sie haben wohl ein Recht auf die Tribüne, denn sie haben ja auch ein Recht auf das Schafott. Olympe de Gouges

Wenige Tage später veröffentlicht Olympe de Gouges ihre ‘Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin’ mit zwölf Artikeln, in denen sie die Aufnahme der Frauen in die Nationalversammlung fordert und in Artikel 3 erklärt: „Die Legitimität jeder Herrschaft ruht wesentlich in der Nation, die nichts anderes darstellt als die Vereinigung von Frauen und Männern.“ Der Deklaration angehängt ist ein ‚Entwurf eines Gesellschaftsvertrages zwischen Mann und Frau’, ein Ehevertrag, in dem die Eheleute zu gleichberechtigten PartnerInnen erklärt werden. Olympe de Gouges fragt: „Warum sollte eine Gruppe von Menschen, nur weil sie schwanger werden können und sich gelegentlich unpässlich fühlen, nicht die Rechte ausüben dürfen, die man niemals denen vorenthalten würde, die jeden Winter die Gicht plagt und die sich leicht erkälten?“

Dem halten Revolutionäre wie Louis-Marie Prudhomme entgegen: „Eine Frau ist nur in ihrer Familie und im Haushalt am rechten Platz. Von allem, was außerhalb ihres Heimes passiert, braucht sie nur das zu wissen, was ihre Eltern oder ihr Ehemann für richtig halten, ihr mitzuteilen.“ Im April 1793 erklärt der Konvent, dass „Kinder, Irre, Minderjährige, Frauen und Kriminelle kein Bürgerrecht genießen“.

Gouges und Marie-Antoinette
Desrais / Frussolte, Frontispiz, Kupferstich, 1788, Paris, Bibliothèque Nationale.

Die Revolution in der Revolution, die Olympe de Gouges unter den Frauen anzettelt, wird den Männern um Robespierre gefährlich, zumal sich die Frauenrechtlerin auch auf anderen Gebieten als humanistischer, unabhängiger Geist entpuppt: Als im „Blutseptember“ die Köpfe rollen, tritt de Gouges gegen die Todestrafe und sogar gegen die Hinrichtung des Königs ein. Sie attackiert Robespierre als „Ehrgeizling“ und „Despoten“ und widmet ihre Erklärung der Menschenrechte für die Frauen der später hingerichteten Königin Marie-Antoinette. Sie prangert den Pariser Zentralismus an.

Hinrichtung durch das Schafott

Die Attackierten verunglimpfen de Gouges, die nie wieder geheiratet hatte, als Prostituierte, sie diffamieren sie als dekadent und dem Wahnsinn verfallen. Als de Gouges schließlich den Text ‚Die drei Urnen’ publizieren lässt, in dem sie eine Volksabstimmung über die künftige Staatsform (Republik, Monarchie oder Girondismus) fordert, wird sie wegen Hochverrats verhaftet. Die Anklage lautet: „Anschlag auf die Volkssouveränität“. Nach mehrmonatiger Gefangenschaft wird Olympe de Gouges in ein Irrenhaus verlegt, aus dem sie fliehen könnte. Sie weigert sich in der Überzeugung, „dass es bei aller zu meinem Verderben vereinten Böswilligkeit nicht gelänge, mir auch nur eine einzige gegen die Revolution gerichtete Handlung vorzuwerfen“. Ein Verteidiger wird ihr verweigert, in einer fulminanten Verteidigungsrede verteidigt sie sich selbst. Ihrem Sohn schreibt sie in ihrem  Abschiedsbrief: „An die zwanzig Mal habe ich meine Henker erbleichen sehen. Da sie nicht wussten, was sie auf jeden meiner Sätze, die meine Unschuld und ihre Böswilligkeit zum Ausdruck brachten, entgegnen sollten, so haben sie das Todesurteil verhängt, aus Angst, das Volk könnte das beispiellose, nie dagewesene Unrecht entdecken.“ Am 3. November 1793 wird Olympe de Gouges hingerichtet und mit ihr viele andere couragierte Frauen.

Karikatur einer Amazone, 1790
Anonym französisch: Die Französinnen sind frei geworden, 1790, Radierung, coloriert, Paris, Bibliothèque Nationale.

Wenige Tage später veröffentlicht der Courier Républicain eine Warnung an alle Frauen: „Erinnert euch dieses Mannweibs, der schamlosen Olympe de Gouges, die als erste Frauenvereinigungen einrichtete, die aufhörte, ihr Hauswesen zu besorgen, die politisieren wollte und Verbrechen beging. Alle solchen unmoralischen Wesen wurden vom Rachefeuer der Gesetze vernichtet. Ihr wollt ihr nacheifern? Nein, ihr spürt wohl, dass ihr nur dann interessant und wahrhaft der Wertschätzung würdig seid, wenn ihr seid, was die Natur wollte, das ihr seid.“

Portrait von 1793
Anonym: Marie Olympe de Gouges, veuve Aubry (1748-1793), 1793, Aquarell

Auch Olympe de Gouges ist vor ihrer Wiederentdeckung durch die Neue Frauenbewegung fast vergessen gewesen. In den Geschichtsbüchern tauchte sie kaum auf, ihre ‚Déclaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne’ war nicht veröffentlicht. Erst Mitte der 70er Jahre grub Hannelore Schröder das vergessene und totgeschwiegene Dokument in der Bibliothèque Nationale in Paris aus und machte es wieder bekannt. 1986 brachte Benoîte Groult eine Auswahl der Schriften und Reden Olympe de Gouges’ heraus, seither erschienen weitere Textsammlungen und Biografien.