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Louise Otto-Peters (1819–1895)

„Die Geschichte aller Zeiten, und die heutige ganz besonders, lehrt: dass diejenigen, welche selbst an ihre Rechte  zu denken vergessen, auch vergessen wurden.“

Jugendbildnis

Die deutsche Frauenrechtlerin, Journalistin und Schriftstellerin gilt als Begründerin der Historischen Frauenbewegung. Ihre lang als Einzelkämpferin beschriebene Rolle ist allerdings durch die Vielzahl der Mitstreiterinnen des Vormärz mittlerweile relativiert. Unter dem Motto ‚Dem Reich der Freiheit werb’ ich Bürgerinnen’ gab Louise Otto-Peters die erste feministische Zeitschrift, die Frauen-Zeitung heraus, die vier Jahre lang erschien und dann der Zensur zum Opfer fiel: Die eigens nach der Herausgeberin benannte ‚Lex Otto’ verbot Frauen die Leitung einer Redaktion. 1865 gründete Otto-Peters den ‚Allgemeine Deutsche Frauenverein’ (ADF): die erste deutsche Dachverband der Frauenorganisationen. Die den Sozialdemokraten nahestehende Frauenrechtlerin nimmt starken Einfluss auf die Entstehung von August Bebels Werk ‚Die Frau und der Sozialismus’, das 1879 erscheint. Als in der Frauenbewegung in den 1890er Jahren ein radikaler Flügel entstand, der eine „biologische Bestimmung“ von Frauen und Männern grundsätzlich in Frage stellte, positionierte sich Otto-Peters als Gegnerin der „Radikalen“ und Anhängerin des sogenannten gemäßigten Flügels.

Louise Otto wird am 26. März 1819 in Meißen geboren. Sie ist die jüngste von vier Töchtern. Die Mutter Christiane Charlotte Otto ist Hausfrau und Tochter eines Porzellanmalers, der Vater Fürchtegott Wilhelm Otto ist Gerichtsdirektor und stammt aus einer Gelehrtenfamilie. Der liberale Vater hält seine Töchter – für die damalige Zeit äußerst ungewöhnlich – zum Zeitunglesen an, diskutiert mit ihnen das politische Geschehen und lässt ihnen eine umfangreiche Bildung zuteil werden. Als die Eltern an Tuberkulose sterben, beschließt die 16-jährige und finanziell unabhängige Louise, Schriftstellerin zu werden. Sie schreibt erste Gedichte, 1842 erscheint ihr sozialkritischer Roman ‚Ludwig der Kellner’.

Mit den vorrevolutionären Bestrebungen wird nun auch die Frauenfrage virulent. Als in den sächsischen Vaterlandsblättern der Herausgeber Robert Blum die Frage stellt: „Haben Frauen ein Recht zur Teilnahme an den Interessen des Staates?“ antwortet Louise Otto in einem Leserbrief: „Die Teilnahme der Frauen an den Interessen des Staates ist nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht.“ Die mutige Stellungnahme erregt die Aufmerksamkeit Blums, und Otto wird regelmäßige Autorin für die Vaterlandsblätter, allerdings – darauf besteht der Herausgeber - unter dem männlichen Pseudonym „Otto Stern“.

Bei einem Besuch ihrer Schwester, die nach ihrer Heirat im Erzgebirge lebt, erlebt Louise Otto aus nächster Nähe Armut und Elend der WeberInnen und Klöpplerinnen. Unter diesem Eindruck entsteht 1846 ihr zweiter Roman ‚Schloss und Fabrik’, der wegen seines „aufrührerischen Inhalts“ zunächst konfisziert wird, dann aber nach Streichung der kritischsten Stellen doch erscheinen darf.

Im Revolutionsjahr 1848 veröffentlicht Otto ihre ‚Adresse eines deutschen Mädchens’, in der sie Sozialkritik und Frauenfrage verbindet: Sie beklagt, dass „das Los der Arbeiterinnen ein noch viel elenderes ist als das der Arbeiter“, da die Arbeiterinnen zu weniger Berufen zugelassen und schlechter bezahlt sind als die Arbeiter. Die Forderung, die Arbeiter so gut zu entlohnen, dass sie ihre Ehefrauen ernähren und diese sich um den Haushalt kümmern können, lehnt sie aber ab. Denn dies heiße, „die eine Hälfte der Menschheit für Unmündige und Kinder erklären und von der anderen ganz und gar abhängig machen.“

Erstausgabe der Frauen-Zeitung
Programm der Frauen-Zeitung von Otto-Peters

In der 1848er Revolution kämpfen auch viele Frauen auf den Barrikaden. Aber Louise Otto muss feststellen, dass Bürgerinnenrechte nicht zu den Zielen der Revolutionäre gehören und dass diese – nach der Niederschlagung des Aufstands – die bedeutende Rolle der Frauen als Kämpferinnen verleugnen. So erkennt sie, dass „diejenigen, welche selbst an ihre Rechte zu denken vergessen, auch vergessen wurden“. Mit diesen Worten beginnt die erste Ausgabe der Frauen-Zeitung, die am 21. April 1849 zum ersten Mal erscheint. Herausgeberin Otto appelliert: „Wohl auf denn, meine Schwestern, vereinigt Euch mit mir, damit wir nicht zurückbleiben, wo Alle und Alles um uns und neben uns vorwärts drängt und kämpft. Wir wollen auch unser Theil fordern und verdienen an der großen Welt-Erlösung, welche der ganzen Menschheit, deren eine Hälfte wir sind, endlich werden muss.“

Schon ein Jahr später wird der sächsischen Regierung die Stimme der Frauen zu vernehmlich. Mit einem eigens für die Frauen-Zeitung geschaffenen Gesetz, der ‚Lex Otto’, wird Frauen die journalistische Arbeit untersagt. Dieses Berufsverbot umgeht die Herausgeberin, indem sie die Frauen-Zeitung nun im thüringischen Gera herausgibt. Im Zusammenhang mit der ‚Lex Otto’ wird es „Schülern, Lehrlingen, Weibern und Schwachsinnigen“ verboten, Vereine zu gründen und Versammlungen abzuhalten. Schließlich kann die Frauen-Zeitung der Repression, den ständigen Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen nicht mehr standhalten.

Louise Otto bleibt in diesen reaktionären Zeiten nach der gescheiterten Revolution zunächst nichts anderes als der vorübergehende Rückzug. Zudem muss sie sieben Jahre lang auf die Entlassung ihres Lebensgefährten August Peters warten, der als Revolutionär 1848 zum Tode verurteilt und dann zu einer Gefängnisstrafe begnadigt wird. 1858 heiratet das Paar, und die 39-jährige Louise Otto-Peters leitet das Feuilleton der von Peters herausgegebenen Mitteldeutschen Volkszeitung.

Otto-Peters und Auguste Schmidt

Nach den Jahren der Reaktion will Louise Otto-Peters nun die Frauenbewegung wiederbeleben. 1865 gründet sie, gemeinsam mit ihrer Freundin Auguste Schmidt, zunächst den ‚Leipziger Frauenbildungsverein’. Denn: „Bei uns schnürt man den Mädchen den Charakter zusammen, dass er so unentwickelt bliebt, dass bei ihm nie vom Selbststehen und Fortschreiten die Rede sein kann – was bei uns die Schönheit der Weiblichkeit heißt, ist meist eine solche Verkrüppelung geistiger freier Anlagen.“ Im Oktober 1865 findet auf Otto-Peters’ Initiative die erste deutsche Frauenkonferenz statt, aus der der ‚Allgemeine Deutsche Frauenverein’ (ADF) hervorgeht. 30 Jahre lang, bis zu ihrem Tod, bleibt die Gründerin Vorsitzende des Dachverbandes und gibt das Verbandsorgan Neue Bahnen heraus.

Denkmal in Leipzig

Von den Ende der 1880er Jahre aufkommenden Ideen des „radikalen Flügels“ der Historischen Frauenbewegung – vertreten durch Hedwig Dohm, Anita Augspurg oder Lida Gustava Heymann - hat Louise Otto-Peters sich stets distanziert. Sie hing der „Ergänzungstheorie“ des „gemäßigten Flügels“ an, der die natürliche Bestimmung der Frau zu Ehe, Mutterschaft und sozialen Tätigkeiten als Ergänzung zum rationalen Mann vertrat. Louise Otto-Peters stirbt am 13. März 1895 in Leipzig.

Louise Otto-Peters, die „Lerche des Vorfrühlings“, war lange Zeit die einzige Vertreterin der Historischen Frauenbewegung, deren Name bekannt und erhalten geblieben war. Ihre Frauen-Zeitung ist in Archiven erhalten. Im Zuge der Neuen Frauenbewegung wurden die vollständigen Ausgaben 1980 im Syndikat-Verlag veröffentlicht. In Leipzig, der Stadt ihres Wirkens, erinnert ein Denkmal an die Tochter der Stadt und trägt die Louise-Otto-Peters-Gesellschaft zum Erhalt des Wissens an die Pionierin bei.