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Hedwig Dohm

Lida Gustava Heymann, 1919

Hedwig Dohm ist am 15. Juni, 86 Jahre alt, in Berlin entschlafen. Für die, die ihr nahe standen, kam die Nachricht ihres Todes nicht unerwartet, denn sie wußten, daß Hedwig Dohm, mit großer Verehrung und treuer Liebe von ihren Kindern gepflegt, seit Jahresfrist darniederlag, nicht eigentlich schwer leidend, meistens im Halbschlummer nach innen gekehrt, nur selten voll den Dingen dieser Welt zugewandt. - In einem solchen Moment sagte sie einmal schmerzerfüllt zu ihren Pflegerinnen: „Ich fürchte, der Tod hat vergessen, mich zu holen; was soll ich noch auf dieser Welt!"

In ihrem Buche: „Der Frauen Natur und Recht", dessen erste Auflage bereits 1876 erschien, legte sie die Forderungen für die Frauen nieder. Die sogenannten radikalen Forderungen waren für sie etwas Selbstverständliches, einmal fügte sie diese in einem Satze kurz zusammen, der tatsächlich alles umfaßt, was radikale Frauenemanzipation in ihren kühnsten Träumen anstrebt: „Nie würde es mir in den Sinn kommen," schreibt sie, „etwas anderes auf dem Gebiete der Frauenbewegung zu fordern, als das freie Selbstbestimmungsrecht der Frauen und die Beseitigung derjenigen Hindernisse, die diesem Rechte entgegenstehen."

Zu irgend welchen Kompromissen war Hedwig Dohm niemals geneigt; auf philiströse Streitschriften, gleichviel woher sie kommen mochten, antwortete sie mit beißendem Hohn, Humor und feiner Satire, so hat sie mit der Feder manch heißen Kampf für die Rechte der Frauen ausgekämpft. Eine unüberwindliche innerliche Scheu machte ihr ein persönliches Auftreten in der Oeffentlichkeit unmöglich, so nahm sie auch niemals teil an der organisierten Frauenbewegung. Einen großen Einfluß übte sie auf den politischen, literarischen und künstlerischen Kreis aus, der sich in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Berlin zusammenfand. Hedwig Dohm, in ihrer Erscheinung so zart, war dennoch eine kraftvolle Persönlichkeit, voller Selbstachtung und Selbstbewußtsein, ohne jede Selbstüberhebung; sie blieb sich in entscheidenden Momenten des Lebens immer treu und stets der Aufgaben bewußt, die die Frauen eigentlich im Weltgetriebe erfüllen sollten. Als der Weltkrieg ausbrach und die Welle des Chauvinismus bei vielen der Besten Verstand und Vernunft hinwegspülte, da trübte sich der Geist dieser über 80 Jahre alten Frau keinen Augenblick, sie schätzte den Krieg ein, als das, was er für jede gesunddenkende Frau sein sollte, als ein Verbrechen, sie hatte den Mut, das in Zeiten internationaler Verhetzung zu bekennen und stellte ihre Feder in den Dienst der Völkerversöhnung.

Der Tod, von dem sie fürchtete, daß er sie vergessen könnte, ist nun doch gekommen, hat, was an Hedwig Dohm körperlich war, ausgelöscht, bleiben aber wird, was sie in ihrem langen Leben ihren Mitmenschen geistig gab; unter den Frauen, die für die Rechte ihres Geschlechts uneigennützig kämpften, wird ihr Name mit an erster Steile stehen. Wir Frauen der Frauenbewegung, alt und jung, wir neigen unser Banner an dem Grabe von Hedwig Dohm tief zur Erde, wir danken ihr für das, was sie aus ihrem Leben gemacht hat, für das, was sie uns Frauen gab; möchten jüngere Generationen ihr nacheifern.

Lida Gustava Heymann.

(Quelle: Heymann, Lida Gustava (1919): Hedwig Dohm. - In: Die Frau im Staat : eine Monatsschrift, Nr. 5/6, S. 1)

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