Kontakt

FrauenMediaTurm
Das Archiv und
Dokumentationszentrum
Bayenturm / Rheinauhafen
50678 Köln

Fon 0221/931881-0
Fax 0221/931881-18
info@frauenmediaturm.de

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag
von 10 bis 17 Uhr
Die Nutzung der Bibliothek ist nur nach Voranmeldung möglich. Sie können sich einfach telefonisch oder per E-mail anmelden.

weitere Informationen

FMT Literaturdatenbank

Direkt zum Bibliothekskatalog
zur Recherche

FMT Bilddatenbank

Direkteinstieg ins Bildarchiv
zur Recherche

EMMAdigital

Über 40 Jahre EMMA Volltext im elektronischen Lesesaal

FMT-DigiBib

Metasuche in Bibliothekskatalogen und Fachdatenbanken weltweit
zu FMT-DigiBib

FMT-DigiLink

Feministische Linkliste
zu FMT-DigiLink

META

Zentrale Suche in den Beständen der Einrichtungen des i.d.a.-Dachverbandes. zum META-Katalog

Frauenoffensive

Presseinformation / Frankfurt, 9.10.1975

Warum ein eigener Frauenverlag?

Unser Frauenverlag ist Bestandteil der im Entstehen begriffenen, vielschichtigen Frauenkultur. Der Widerstand der Frauen, ihr weltweiter Kampf schaffen neue Inhalte und Formen: Wir sind unterwegs.

  • Frauen haben erkannt, daß über bestehende Unterschiede ihrer Lebenssituation hinweg sie alle eines gemeinsam haben: ihren tagtäglichen psychischen und handgreiflichen Einsatz. Liebe und Hausarbeit halten die Männergesellschaft am Leben - ein unermeßliches und ebenso unbezahltes Opfer.

  • Frauen haben, über den Kampf gegen das Abtreibungsverbot hinaus, global die Selbsthilfebewegung gebildet, mit dem Bestreben, die Kontrolle über das Gebären, das Wissen um Naturheilmethoden, wie man Leben gibt und erhält, zurückzugewinnen.

  • Frauen haben begonnen, dis verschüttete Geschichte ihres Geschlechts aufzudecken und ihre Unterdrückung im Zusammenhang mit der Entwicklung des Abendlandes, des technischen Fortschritts, der Zerstörung der natürlichen Quellen und einer inhumanen Entwurzelung des Menschen zu reflektieren.

  • Frauen sind weltweit dabei, bestehende Überlebensprinzipien - wie konkurrentes Leistungsdenken, männliche Logik, die die Welt in Schwarz-Weiss einteilt, sie daran mißt und Betroffene begünstigt bzw. verurteilt, patriarchale Normen, die das Leben von der Arbeit getrennt haben, Zwänge, die die Frauen und Kinder, die Alten und Kranken zu Abhängigen und Unmündigen gemacht haben - zu überdenken, zu hinterfragen, und aus der Ahnung nach einem menschlichen Leben heraus Alternativen zu erforschen.

Diese Denkansätze durchbrechen die bestehenden Lebens- und Arbeitsformen. Nur ein autonomer Frauenverlag ist aufgrund seines Selbstverständnisses wirklich interessiert, neue Denkimpulse der Frauenbewegung, so unfertig und nichtprofessionell, so ungewöhnlich und ungekonnt sie sein mögen, aufzugreifen und zu publizieren.

Es trifft zu, daß auch Männerverlage, besonders im Jahr der Frau, Frauenliteratur willig publizieren. Wohlwollend geduldet, als profitbringender modetrip gerngesehen.

Das Prinzip der Männerverlage ist es dabei allerdings, das bereits Fertige, bereits "Geglückte" und sozusagen Arrivierte für sich herauszugreifen und zu vermarkten. Wir aber wollen etwas anderes: wir schaffen einen "Schutzraum", um neue Denk- und Handlungsmodelle zu entwickeln und zu praktizieren. Der Verlag Frauenoffensive ist damit ein erster Schritt im Aufbau einer autonomen Frauenkultur und ihrer eigenen Mittel: Buchläden, Filme, Forschungsinstitute und medizinische Zentren. (Ein Frauenbuchladen wird in Zusammenarbeit mit der Frauenoffensive in München bereits gegründet) .

Als Frauenverlag sind wir genötigt, in einer männlich-patriarchalischen Geschäftswelt zu leben und zu überleben. Aber wir sind nicht gezwungen, alle ihre herrschenden Prinzipien zu übernehmen, Wir denken und verwirklichen ein Stück kämpferische Gegenwart und Utopie.

Wir wollen authentisch zu Wort kommen:
- ohne Zensur, zeitbedingtes Wohlwollen und ausschließlich unter den Kriterien eines unbarmherzigen Kommerzgeschäftes:
Frauen schreiben aus gelebter, direkter Erfahrung über ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart, ihre Zukunft. Aus der Position der Betroffenen, unmittelbar, mit ihren Wünschen, Vorstellungen, Utopien. Doch nicht aus einer Position der Destruktion, der Ablehnung, einer, die über den Dingen steht und sich dabei selbst verdinglicht hat - Frauen haben begonnen, über die Anklage hinaus, Punkte der Alternative und Hoffnung zu setzen.

Wie lebt ein Frauenverlag in der Geschäftswelt?
Es ist äußerst beschwerlich, in der harten Welt des Konkurrenzdrucks, der Preise und Kalkulationen ein Unterfangen wie das unsere anzugehen. Unser Bestehen hängt von drei entscheidenden Faktoren ab:

  • der unbezahlten Arbeit der Mehrheit der Teammitglieder in Herstellung, Lektorat und Vertrieb. (Unbezahlte Arbeit ist also eine Eigenschaft, die die Frauen als machtlose bis in ihre eigenen Alternativinstitutionen hineinbegleitet - dies gilt auch für die Schwangerschaftsberatung in den Frauenzentren).

  • der Vorfinanzierung unserer Projekte als Darlehen durch einen anderen Verlag

  • Darlehen und Spenden für unseren Verlag aus der Frauenbewegung und von Frauen, die den Aufbau des Verlags unterstützen möchten.

Wir hoffen, daß wir im Verlauf des nächsten Jahres eine Schwelle erreichen, die uns von Darlehen und unbezahlter Arbeit weitgehend unabhängig macht.

Wer arbeitet im Team des Verlags?
Die Verlagsgruppe besteht aus 16 Frauen der Frauenbewegung. Nur wenige von uns haben Erfahrung im Verlags- oder Buchhandelswesen. Einige sind Studentinnen, einige als Angestellte oder Akademikerinnen tätig. Hauptberuflich im Verlag beschäftigt sind gegenwärtig nur zwei Frauen.