Kontakt

FrauenMediaTurm
Das Archiv und
Dokumentationszentrum
Bayenturm / Rheinauhafen
50678 Köln

Fon 0221/931881-0
Fax 0221/931881-18
info@frauenmediaturm.de

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag
von 10 bis 17 Uhr
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DROHT DIE SCHLIESSUNG DES FMT?

Hintergrund-Information

Der FrauenMediaTurm wurde 1984 auf Initiative von Alice Schwarzer als das „Feministische Archiv und Dokumentationszentrum“ gegründet. Das Archiv konnte dank einer großzügigen Anschubfinanzierung von Jan Philipp Reemtsma über 20 Jahre aufgebaut und von qualifizierten Kräften nach modernsten Methoden archiviert und erschlossen werden.

In den Jahren 2004 bis 2008 finanzierte sich der FrauenMediaTurm, wie das Archiv seit seinem Einzug in den Kölner Bayenturm 1994 heißt, dank diverser Spenden u.a. der Krupp-Stiftung und der Kölner Sparkasse. Ab 2008 förderte das Land NRW den FrauenMediaTurm mit 210.000 € im Jahr, was die Einstellung von drei bis dreieinhalb Mitarbeiterinnen sowie Deckung der Betriebskosten erlaubte. Der damalige Ministerpräsident sagte die Förderung des FMT für die nächsten zehn Jahre zu. Drei Jahre später, im März 2011 kürzte die rot-grüne Regierung auf Initiative der grünen Frauenministerin Barbara Steffens die Förderung des FMT überraschend und rückwirkend zum 1.1.2011 um ihren Anteil (ein Drittel) auf 140.000 €. Ende 2012 kürzten die Wissenschafts- und Kulturministerin ihre Anteile um weitere 50 Prozent, sodass vom Land in 2012 nur noch 70.000 € an den FMT bereit gestellt werden.

Findet der FMT nicht ganz schnell eine Lösung, wäre das das Ende des Pionier-Projektes, das in Profil, Sammlung und Erschließung weit über den deutschen Sprachraum hinaus einmalig ist. In dem Archiv stecken bisher Investitionen im Werte von rund 9 Mio Euro – sowie die unschätzbare ehrenamtliche Arbeit von Vorstand und Beirat.

Übrigens: Während die rotgrüne Regierung von NRW das bedeutendste Frauenarchiv seines Landes zu Tode kürzt, stockte die schwarzgelbe Regierung von Hessen gleichzeitig für 2012 die Förderung des in Kassel ansässigen „Archivs der deutschen Frauenbewegung“ von 160.000 € im Jahr auf 202.000 € auf. Und die Stadt Kassel gewährt dem „Archiv der deutschen Frauenbewegung“ einen Mietzuschuss – während die Stadt Köln die gemeinnützige Stiftung FMT im Gegenteil auch noch einen laufend steigenden Pachtzins zahlen lässt, zurzeit 16.146 € im Jahr. Und das, obwohl der FMT den Rohbau des Bayenturm 1992-1994 vollständig auf eigene Kosten ausgebaut hat (inklusive Aufzug und Galerien) sowie vertraglich verpflichtet wurde, eine Instandhaltungsrücklage von 250.000 DM für 2024 zurückzulegen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die aktuellen Mittelkürzungen durch die Landesregierung in der Antwort auf eine Kleine Anfrage im Parlament mit der (im Prinzip verständlichen) Haushaltskonsolidierung begründet wurden. Tatsächlich aber fand – ausweichlich der Haushaltsentwürfe – eine Mittelverlagerung statt. Die Kürzung des FMT wurde dem Frauenkulturbüro in Krefeld gutgeschrieben. Welche Hintergründe diese Falschinformation des Parlaments hat, wäre noch zu klären.

Es existieren heute mehrere deutschsprachige Archive zur Geschichte der Emanzipation der Frauen; allein in dem Netzwerk „ida“ sind 38 Frauenarchive Mitglied, darunter der FMT. Der FMT hat unter diesen Archiven allerdings ein Alleinstellungsmerkmal, und das unter mehreren Gesichtspunkten:

1. Dank der frühen Anschubfinanzierung konnte das Archiv nach neuesten wissenschaftlichen Methoden aufgebaut werden -  Erarbeitung eines spezifischen Thesaurus, kontinuierliche Qualifizierung der Mitarbeiterinnen, frühe Computerisierung etc. – und gab damit Impulse über Deutschland hinaus. So ist zum Beispiel das österreichische Frauenarchiv „Ariadne“, das heute Teil der Nationalbibliothek ist, nach den wissenschaftlichen Standards des FMT aufgebaut worden (so die Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek, Dr. Johanna Rachinger).

2. Dank des persönlichen Engagements von Vorstands- und Beiratsmitgliedern in der Frauenbewegung bzw. ihrer Stellung in der Wissenschaft waren die Chancen, für den Bestand an seltene Dokumente zu gelangen, besonders groß.

3. Aufgrund der Kooperation mit dem Hochschulbibliothekszentrum NRW seit 2008 sind die Bestände dieser Spezialbibliothek nicht nur Teil der wissenschaftlichen Bibliotheken und Archive in NRW, sondern auch weltweit recherchierbar.

4. Mittels einer Projektförderung des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung konnte der FrauenMediaTurm eine visuelle Datenbank aufbauen, die, parallel zum Textarchiv, aktuelle und historische Fotos sowie visuelle Dokumente unter dem Genderaspekt archiviert und digitalisiert hat. In 2012 wird der „FMTvisuell“ online gehen (siehe auch die aus diesemProjekt resultierende Publikation „Frauen, die forschen“).

5. Dank des historischen Standortes Bayenturm und des vom FMT finanzierten und mehrfach prämierten modernen Ausbaus des mittelalterlichen Wehrturms ist das Archiv an einem unge-wöhnlich geschichtsträchtigen, stolzen Ort angesiedelt. Der Bayenturm ist heute das historische Herz des Rheinauhafens – und gleichzeitig ein hochmoderner Hort der Geschichte der Frauen!

Nur wer eine Geschichte hat, hat auch eine Zukunft. Die angebliche „Geschichtslosigkeit“ von Frauen – bzw. ihre Ignoranz und Spurenvernichtung – ist traditionell eine der schärfsten Waffen gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter. Der FrauenMediaTurm ist ein Hort der Spurensicherung und der Vermittlung von Geschichte zur Gestaltung der Zukunft. Und das alles soll jetzt mit einem Federstreich vernichtet werden? Wegen einer Summe, die in gar keinem Verhältnis steht zum Wert des Projektes? Und mit Argumenten seitens der grünen Frauenministerin, die schlicht eine Täuschung der Öffentlichkeit darstellen? Indem die Ministerin nämlich die Folgen ihrer rückwirkenden Mittelkürzung (Entlassung der Dokumentarin und Einschränkung der Öffnungszeiten) als Grund für diese Kürzungen benennt. Und indem die Ministerin behauptet, es handele sich um Sparmaßnahmen – dabei sind die für den FMT reservierten Gelder an ein anderes Projekt gegangen.

Der Vorstand des FrauenMediaTurm ist nicht bereit, diesen ungeheuerlichen Vorgang widerstandslos hinzunehmen. Und schon gar nicht ausgerechnet seitens einer rot-grünen „Frauenregierung“, die in diesem Archiv nachlesen könnte, wie es möglich geworden ist, dass im 21. Jahrhundert so etwas überhaupt denkbar ist: wie eine Kanzlerin – oder auch Ministerpräsidentin.

Der Vorstand des FrauenMediaTurm, im Januar 2012
Alice Schwarzer, EMMA-Herausgeberin und Essayistin
Dr. Ursula Scheu, Psychologin
Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin