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Kopf und Körper

Ein Fax, ein Anruf, und jede sagte: Ja, selbstverständlich, ich mache mit. Alle sieben, von Berben bis Tabatabai, fanden es selbstverständlich, für einen Abend nach Köln zu kommen und auf dem Beauvoir Kongreß feministische Texte zu lesen. Keine hat nach Honorar auch nur gefragt. Jede hatte sich spürbar nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Frau mit ihren Texten auseinandergesetzt. So wurde der Samstagabend zu einem der Höhepunkte des Kongresses.

Iris Berben las die Frauenrechtserklärung von Olympe de Gouges, Hannelore Elsner die „Rede an berufstätige Frauen" von Virginia Woolf, Emine Özdamar gab Anita Augspurg ihre Stimme, Anke Engelke schlüpfte in Hedwig Dohm, Therese Dürrenberger in Lida Heymann, und Jasmin Tabatabai schwankte zwischen Vergnügen und Entsetzen bei Valerie Solanas' „Manifest zur Vernichtung der Männer".

Hier wurde er mit Leben gefüllt, der Schulterschluß der Frauen: zwischen Kopf & Körper, schön & klug, begehrt & feministisch. An diesem Abend wurde sinnlich erfahrbar, wie aufgesetzt und falsch die Teilung ist. Klar: auch Frauen mit Körper haben einen Kopf – und auch Frauen mit Kopf einen Körper. Im Gespräch nach der Lesung mit Alice Schwarzer auf der Bühne sagte eine jede, warum sie gekommen war (nur Renan Demirkan hatte leider gleich nach der Lesung und noch vor der Diskussion gehen müssen). Spätestens da wurde klar: Feminismus, das ist auch ihre Sache.

Iris Berben

Berben liest Olympe de Gouges

„Es gibt sowas wie eine Macho-Kasse während der Dreharbeiten. Wenn besonders viele Machosätze oder so kommen, dann sagt man: So, gib mal rein in die Kasse! Davon wollen wir dann alle nachher ein schönes Essen machen. Ich habe einen Regisseur, mit dem ich sehr gern arbeite, den Carlo Roja. Und ich muß dazusagen, er liebt die Frauen. Sonst würde er mir nicht diese Möglichkeit geben, solche Figuren zu spielen. Aber er hat Sprüche drauf, die man kaum ertragen kann. Und seit 17 Jahren arbeite ich jetzt mit ihm, und seit zehn Jahren sage ich immer, wenn so ein Satz kommt, ganz laut: „Liebe Alice Schwarzer, ich muß dir jetzt mal wieder einen Brief schreiben." Das ist ein geflügeltes Wort bei unseren Dreharbeiten. Darum freue ich mich besonders, dass ich jetzt hier sein darf. Ich wollte Alice Schwarzer endlich mal persönlich kennenlernen, nachdem ich ihr schon Hunderte von Briefen geschrieben habe..."

Hannelore Elsner

Elsner liest Virginia Woolf

„Für mich ist es ganz selbstverständlich, hier zu sein und solche wunderbaren Texte zu lesen. Ich finde, wir gehören hierher, wir gehören dazu! Das mit dem Frau-Sein, das haben wir ja schon einige Zeit geübt, ich zumindest. Das war natürlich am Anfang alles nicht so einfach. Aber ich fühle mich inzwischen von Männern gar nicht mehr so angegriffen, das ist vorbei, das hat man überlebt. Doch dass man von Frauen angegriffen wird, das finde ich ziemlich heftig. Wir Schauspielerinnen sind doch die, die auf dem Tablett stehen, die die Frauen repräsentieren. Und ich denke, dass wir das gar nicht so schlecht machen. Wenn mir ein junges Mädchen schreibt: Ich bin 14, und ich möchte Schauspielerin oder Kommissarin werden, denke ich, wir haben da eine bestimmte Vorbild-Funktion. Wenn sich aber dann Kritikerinnen beklagen, dass nur noch Frauen mit tollen Berufen im Fernsehen sind: Ärztinnen, Staatsanwältinnen oder Kommissarinnen, dann verstehe ich das nicht. Wir sind endlich soweit, dass wir im Fernsehen und auch im Film anständige Berufe spielen dürfen!"

Emine Özdamar

Özdamar liest Anita Ausgpurg

„Ich schreibe ja auch immer Bücher über Frauen. Ich bin mit Frauen aufgewachsen, habe viele Großmütter gehabt – meine Mutter hatte mehrere Mütter, denn mein Großvater hatte mehrere Frauen und wenn wir in ein türkisches Bad gegangen sind, dann habe ich verschiedene Körper gesehen, das waren herrliche Bilder. Meine eine Großmutter zum Beispiel hat nicht gewußt, mit welchem Mann sie ins Paradies gehen sollte, weil sie drei hatte: Der dritte ist zu den Nutten gegangen und hat von denen gelernt Liebe zu machen. Und das hat er seiner Frau beigebracht, das heißt, er hat sie über sich genommen – und das hat ihr sehr gut gefallen. Sie war eine Bäuerin, Analphabetin und hat nie schlecht über die Männer geredet, aber sie hat mir sagt: „Lerne, lerne, lerne, damit du nicht die Füße des Mannes waschen mußt. Und meine Mutter hat mir auch etwas Schönes gesagt: Sie kam zu mir, als ich die Türkei verlassen mußte nach dem Militärputsch. Ich weinte laut in dieser Nacht. Da sagte sie: Weißt du, Sevgi wenn ich mit deinem Vater im Clinch war, dann konnte ich nur einfach mein Bett in ein anderes Zimmer tragen. Aber du, Sevgi, du kannst gehen. Geh!"

Anke Engelke

Engelke liest Hedwig Dohm

„Es gibt für mich viele Gründe heute Abend hierzusein. Ein Grund ist, dass ich in den Medien gefeiert werde als die Neue Comedy-Hoffnung usw., und das geht mir seit einiger Zeit sehr auf den Sack. Ich werde gelobt und bekomme Preise – für die Vielfalt in den Rollen, für die Darstellung so vieler verschiedener Frauentypen usw. Und jetzt ist es einfach mal an der Zeit zu sagen, dass ich zwar viele Frauen spiele, dass ich aber auch ein Mann bin. Nur weil ich eine Frau bin, heißt das nicht, daß ich nur Frauen spielen kann. Also: Ich möchte das Spektrum erweitern in meinem Bereich, das nun leider diesen häßlichen amerikanischen Stempel Comedy trägt, ich möchte nicht nur äußerlich attraktive Frauen spielen, ich möchte nicht nur Klischees bedienen – obwohl ich das auch tun muß, wir sind ja eine Samstagabend-Sendung. Darum geb ich mir immer Mühe, die Frauen, die ich darstelle, mit extrem viel Liebe zu zeichnen, auch wenn sie einen draufkriegen, und sie immer so zu zeigen, dass man mit ihnen fühlt. Das reicht mir manchmal schon."

Therese Dürrenberger

Dürrenberger liest Lida Heymann

„Die Frauenbewegung hat mir, als ich eine junge Frau war, viel bedeutet. Ich kam in den 70ern nach Berlin, hochschwanger, zu meinem Freund, in eine Wohngemeinschaft zu den Genossen, habe mich in die Arbeit gestürzt und Kapitalschulungen gemacht, bis mir der Kopf rauchte, und war dann sehr glücklich, als ich auf die Frauenbewegung stieß. Da habe ich mich einfach besser aufgehoben gefühlt. Die Frauenbewegung hat mich sehr oft und immer wieder inspiriert. Ich habe zwei Töchter, die ich neben dem Beruf alleine erzogen habe. Ich habe viel Glück gehabt. Es tut mir oft weh zu wissen, dass so viele Frauen, die alleinerziehend sind, am Rand sind, und keine Chancen und finanziell ein schweres Leben haben. Wenn ich lese, was Frauen überall in der Welt immer noch passiert, und es scheint nicht besser zu werden, dann weiß ich, dass der Kampf nie aufhört. Ich finde, ihr leistet einen sehr wichtigen Beitrag, und das möchte ich gerne unterstützen, wo ich kann."

Jasmin Tabatabai

Tabatabai liest Valerie Solanas

„Ich habe mich nie sonderlich mit dem Feminismus auseinandergesetzt, bis vor ungefähr zwei Jahren. Ich wollte keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen machen. Nur dann habe ich festgestellt, dass wir alle nicht so emanzipiert sind, wie wir gerne tun. Und dass die Musikbranche eine ausgesprochen sexistische Branche ist. Als ich dann einen Film gedreht habe, „Bandits", der wohl ein Frauenfilm war, in dem Sinne, dass kein Mann in einer wesentlichen Position Entscheidungen bei diesem Film gefällt hat – was da los war an Angriffen, nicht nur von der Presse, sondern auch von der Branche! Das hat mich doch zum Nachdenken gebracht. Und es kann doch nicht sein, dass ich 1999 die „Bunte" aufschlage und lese: „Jenny Elvers und Verona Feldbusch – Endlich wieder Frauen, die mit weiblichen Eigenschaften Karriere machen." Was ist denn hier los? Nichts gegen diese beiden Frauen, aber die eine ist ein Groupie, und die andere vermarktet Dummheit. So ein Artikel ist ein Schlag ins Gesicht einer jeden arbeitenden, selbständigen jungen Frau. Ich habe darum für mich persönlich beschlossen, dass ich nicht mehr so die Schnauze halten werde. Denn Frauen wie Alice Schwarzer haben ihre Fresse hingehalten und für uns Sachen erkämpft, von denen junge Frauen wie ich heute profitieren."

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